SMX 2011 München Recap

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Das Frühjahr bietet eine unglaubliche Veranstaltungsfülle. Konferenz folgt auf Konferenz und mit der SMX 2011 in München gleich das nächste Highlight für Online Marketiere. Die eine Hälfte der Branche sitzt bekanntlich eh bereits dort unten und zusammen mit der anderen Hälfte näherten wir uns Montagabend auf einem unterhaltsamen Flug der bayrischen Landeshauptstadt. Für mich war es die erste SMX und so war ich einigermaßen gespannt auf die kommenden zwei Tage im Hilton Park Hotel.

Inhouse SEO Stammtisch

Am Vorabend der Konferenz hatte Jens Fauldraht noch ein Treffen für Inhouse SEOs organisiert. Dieses war recht gut besucht, jedoch ohne jegliches Programm eine reine Networking Veranstaltung. Insgesamt eine super Idee, aber noch mit sehr viel Potential – wenn ich da an ähnliche Veranstaltungen wie die „Ritter der Schwafelrunde“ von Uwe Tippmann zurückdenke.

Tag 1 auf der SMX 2011

Keynote von Rand Fishkin

Am nächsten Tag begann die Konferenz mit einer Keynote von Rand Fishkin, der die aktuelle Version der SeoMOZ Rankingfaktoren vorstellte. Diese zeigten eine deutlichen Verschiebung in der Bewertung von Links zu Gunsten von Social Votes.  Aber wie es mit Korrelationen so ist, hätte man sicher auch das Gehalt der SEOs der betroffenen Webseiten als Kriterium erfassen und auch da eine vermutlich hohe Korrelation feststellen können.

SEO & User Generated Content (UGC)

Als erste Session habe ich mir SEO & User Generated Content (UGC) angesehen.  Astrid Staats begründete zunächst, warum es für Unternehmen sinnvoll ist, UGC auf ihren Seiten zu integrieren. Julian Grupp zeigte dann, wie sich Holidaycheck der Herausforderung stellt, tausende neue Beiträge mit teilweise unstrukturierten Informationen aufzubereiten. Das war für mich besonders deswegen interessant, da wir auf MOTOR-TALK.de mit täglich mehr als 10.000 neuen Beiträgen sehr ähnliche Probleme haben.

Die Verschmelzung des Suchmarktes

In der zweiten Session habe ich mir dann Vorträge zur Konvergenz des Suchmarktes, hier schwerpunktmäßig Local und Mobile, angesehen, die von Hanns Kronenberg und Stefan Fischerländer gehalten wurden. Dieses Thema ist natürlich nicht ganz neu, aber beide konnten ihre Vorträge sehr gut mit wirklichen Erfahrungen untermauern und das ist sicher eine neue Qualität im Vergleich zu den letzten Jahren.

Keynote von Maile Ohye

In der folgenden Keynote hat Maile Ohye von Google dann mit großer Begeisterung das aktuellste von der Google Suche präsentiert. Dabei hat sie bestätigt, das der Googlebot Javascript Links verfolgt und beim Ranking CTR und Absprungraten mit ins Ranking einfließen.

Search Engine Friendly Design

Nach dem Mittagessen habe ich mir die Session Search Engine Friendly Design mit Vorträgen von Johannes Müller von Google und Mikkel Svendsen angehört. Johannes Müller hatte dabei den Schwerpunkt auf das Crawlen und Indexieren gelegt und dabei auch noch einmal bestätigt, das Duplicate Content ein großes Problem für den Crawler sein kann. Neu war für mich dabei z.B. die Erkenntnis, dass die „Too many URL’s“ Warnung (ein ungeliebter Bekannter, wenn man große Webseiten betreut) nicht vom Crawler kommt (wie ich bisher immer dachte), sondern vom Parser. Damit erklärt sich für mich auch, warum man diese Warnung durch den Einsatz von „nofollow“ zur Crawler-Steuerung nicht verhindern kann.

Webmasters on the Roof

Zum Abschluss des Tages war natürlich die Wiederauflage von Webmasters on the Roof mit Marcus Tandler und Fridaynite ist auch dabei absolute Pflicht. Mit Gästen wie Rand Fishkin, Johannes Beus, Prof. Mario Fischer und Bob Rains war die Sendung natürlich ein Selbstläufer und ein absoluter Knaller. Die Themen (wenn sie denn jemand interessierte) waren natürlich das Panda-Update, Social Signals und Linkkauf. Dabei wurde nicht nur mein Zwerchfell arg strapaziert sondern mir ist auch wieder bewusst geworden, wie sehr der deutschen SEO Landschaft diese Sendung fehlt.

SMX Party

Zum Abschluss des doch gelungenen ersten Tages ging es zur Party ins Vice. Diese Location war leider nicht wirklich für die Menge an Online Marketieren geeignet. Auf wenigen Quadratmetern und 3 Etagen komplett überfüllt, war auch die laute Musik dem Networken nicht wirklich förderlich. Auch das Essen bekam man eigentlich nur, wenn man einen Kellner damit inflagranti erwischte und sofort ausraubte. Als Beute winkte dann ein einzelner Cannelloni (von uns liebevoll „Cannel-lonly“ getauft). Für insgesamt ca. 90 Euro so ziemlich die teuersten Cannelloni, die ich je gegessen habe.

Tag 2 auf der SMX 2011

Keynote von Stefan Weitz

Der zweite Tag begann mit einer Keynote von Stefan Weitz von Bing über deren Kooperation mit Facebook. Darin ging es im wesentlichen darum zu zeigen, wie soziale Signale immer mehr in die Suchergebnisse Einzug halten. Dabei zählen Tweets durchaus für das Ranking von News während Facebook-Likes bislang lediglich dazu dienen Suchergebnisse anzureichern. Hier taugte dann sein Beispiel aus dem ersten Teil des Vortrages allerdings nicht mehr (Frau kauft Rock). Wenn eine Frau in den Suchergebnissen sieht, dass 100 ihrer Freundinnen einen bestimmten Rock gekauft haben, würde sie diesen dann auch kaufen? Vermutlich nicht, deswegen gab es an dieser Stelle einen abrupten Wechsel zu Restaurantempfehlungen, was dabei natürlich viel besser funktioniert. Schade, denn das Problem das nicht alle Dinge dieser Welt gleich „likable“ oder „sharable“ sind wird leider viel zu selten besprochen. Oder wer hat sich schon einmal spontan ein Auto gekauft, weil ein Freund es in der Timeline empfohlen hat?

Negativ- und Blackhat-SEO: So schützen Sie sich!

Die nächste Session hatte es in sich. Bei Session über Negativ- und Blackhat-SEO erzählten Dominik Wojcik und Fabian Rossbacher über einige ausgewählte Möglichkeiten, Mitbewerber abzuschießen oder zumindest bei Google zu schädigen. Dabei kann einem schon Angst und Bange werden, vor allem wenn man hört, das solche Gepflogenheiten in anderen Branchen, z.B. im Gutscheinbereich, Gang und Gebe sein sollen. Tolle Session … und … beängstigend!

Technisches SEO: HTML5

Grund genug, sich in der nächsten Session über Technisches SEO: HTML5 wieder etwas zu  entspannen. Zunächst legte Johannes Müller von Google dar, welche Teile von HTML5 Webmaster schon verwenden können. Wenn man nicht einen Teil seiner User abhängen will, sind das leider nicht allzu viele. Da half es auch nicht viel, das die recht inhaltslose 404-Seite von Google als Beispiel für echte HTML5-Seiten überstrapaziert wurde. Zumal diese Seite nicht einmal den eigenen Empfehlungen von Google für die Gestaltung von 404-Seiten entspricht. Im zweiten Teil hat Johannes Beus das Thema dann wieder etwas „geerdet“. So werden wir wohl auch in den nächsten Jahren mit JS-Wrapper-Bibliotheken leben müssen, die zunehmend besser die Unterschiede der einzelnen Browser vor den Entwicklern verstecken. Insgesamt ein runder Vortrag von Johannes & Johannes 🙂

SEO – Technik vs. Kreativität

Nach der Mittagspause ging es in der von Marcus Tandler moderierten Session SEO – Technik vs. Kreativität wieder hoch her. Zunächst hielt der kurzfristig eingesprungene Rand Fishkin eine eigentlich interne Präsentation, die auf die Auswertungen der SEOMoz-Rankingkriterien aufbaute und daraus versucht hat konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die Grundaussage ist nicht neu: Content-Champion in einer Domain zu werden und darüber sekundäre Signale wie Links, Likes, Tweets oder Shares auf „natürlichem“ Wege zu bekommen.

Im Anschluss hielt Bob Rains einen Vortrag in dem er die Bedeutung für Kreativität für den Erfolg eines Projektes unterstrich. Darüber waren sich übrigens beide mehr als einig, so dass eine echte kontroverse Diskussion nicht wirklich zustande kam. Unterhaltsam war die Vorstellung aber trotzdem als nahezu nahtlose Fortsetzung der Webmasters on the Roof vom Vortag. Absolut empfehlenswert!

Site Architecture für SEO Profis

Als sich auch der zweite Tag dem Ende entgegen neigte, versprach die Session zum Thema Site Architecture für SEO Profis noch einmal so richtig spannend zu werden. Mikkel Svendsen und Stefan Fischerländer legten sich hier ins Zeug um über die Informationsarchitektur zu referieren. Leider waren größtenteils alles eher Basics, aber ich glaube so ein schwieriges Thema kann man ohne eine spezielle Webseite zu beleuchten. Sämtliche allgemeingültige Empfehlungen werden wohl daher zwangsläufig leider etwas oberflächlich bleiben müssen. Nur einmal ging die Veranstaltung etwas mehr in die Tiefe: als Stefan Fischerländer als Mittel zur Tag-Recherche die Auswertung eines MySQL-Volltextindexes empfahl und dabei auch auf Details wie Stemming und Fuzzy-Search mittels Trigrammen einging. Das hatte genaugenommen nicht viel mit dem Thema zu tun, war aber trotzdem amüsant und hat mich etwas nostalgisch an die Zeiten erinnert, in denen man sowas noch alles selbst programmieren musste. Eigentlich wäre das Thema einen eigenen Vortrag wert, ich vermute das 99% des Auditoriums nicht wußte was ein „Reverse Index“ ist – und vielleicht eine Anregung für Stefan und die nächste SMX 🙂

Der Vortrag von Mikkel Svendsen zum gleichen Thema war leider sehr viel oberflächlicher, aber teilweise sehr amüsant gehalten. Seine Empfehlung zur Vermeidung Duplicate Contents war: diesen einfach nicht erst zu erzeugen 🙂 Einige seiner Thesen waren aber durchaus kontrovers. So riet er von der Verwendung von Sitemaps und der Verwendung von „Nofollow“ ab. Beides sind aber wichtige Werkzeuge zur Steuerung von Crawler-Resourcen die vor allem auf Inhaltsstarken Webseiten mit Millionen von Seiten unverzichtbar sind.

SEO – Fragen, die Sie schon immer stellen wollten!

Den Abschluss der SMX bildete für mich die offene Fragestunde mit Prof. Mario Fischer, Johannes Beus, Marcus Tandler und Jens Fauldrath. Diese lebte natürlich vor allem von den Fragen, und die waren mitunter nicht wirklich gut. Am interessantesten war wieder einmal die Diskussion über das Panda-Update. Als es darum ging, welche Seiten in Deutschland betroffen seien, brachte Johannes Beus neben den üblichen Verdächtigen Suite101.de und misterinfo.com noch cylex.de und yasni.de ins Gespräch.

Fazit zur SMX 2011

Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, die sich gelohnt hat. Wie oft bekommt man in Deutschland schon die Gelegenheit Rand Fishkin zu erleben? Die Qualität der Vorträge war jedenfalls hervorragend, auch wenn (oder vielleicht gerade weil) es nur sehr wenige unterschiedliche Speaker waren. Aber es bleibt eben eine Konferenz und ist mit einem Event wie der Campixx nicht vergleichbar. Die SMX ist wie ein solider Mittelklassewagen, in dem man zuverlässig zum Ziel kommt – die Campixx dagegen wie ein großer, alter Bus auf Klassenfahrt. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass es im nächsten Jahr keine Terminüberschneidungen gibt, denn ich würde gerne auch zur nächsten SMX kommen.

Nicht, dass ich da schon auf Klassenfahrt bin…

2 Responses to “SMX 2011 München Recap”

  1. Eric

    “Too many URL’s” also doch nicht vom Crawler. Haben wir uns ja beim SEO-Stammtisch drüber unterhalten. Gab es da noch andere wissenswerte Infos zu dem Thema?

    Gruß

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  2. bert

    Hi Eric,

    nein, viel mehr war leider nicht. Ich werd mir fürs nächste Jahr mal ne Liste mit Fragen machen, die ich schon immer stellen wollte, dann kommt so ein Google Mitarbeiter nicht so ungefragt davon 🙂

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